Freunde stoßen bei einer Weinprobe mit Gläsern an – Weintasting bei Leons Weinhaus Düsseldorf

Wein verkosten wie ein Sommelier: Die Anleitung in 5 Schritten

4. Oktober 2026Daniela Machill

Wein liest man nicht, Wein probiert man. Doch wer bewusst verkostet, entdeckt in jedem Glas deutlich mehr. Sommeliers folgen dabei einem einfachen Ablauf aus fünf Schritten. Mit dieser Anleitung können Sie das auch, zu Hause, im Restaurant oder bei uns im Verkostungsstudio.

Wein verkosten in fünf Schritten

  1. Sehen. Halten Sie das Glas schräg vor einen hellen Hintergrund. Die Farbe verrät viel: Ein junger Rotwein schimmert violett, ein gereifter zeigt Ziegel- oder Orangentöne am Rand. Weißwein wird mit dem Alter goldener.
  2. Schwenken. Lassen Sie den Wein im Glas kreisen. Sauerstoff öffnet die Aromen. Die Schlieren am Glas, die „Kirchenfenster“, deuten auf Alkohol und Glycerin hin, nicht auf Qualität.
  3. Riechen. Erst kurz, dann tief. Die Nase nimmt weit mehr wahr als die Zunge. Fragen Sie sich: Frucht, Blumen, Gewürze, Holz, Erde?
  4. Schmecken. Nehmen Sie einen kleinen Schluck und verteilen Sie ihn im ganzen Mund. Achten Sie auf Süße, Säure, Tannin, Alkohol und Körper. Profis ziehen etwas Luft durch den Wein, um die Aromen zu verstärken.
  5. Nachklingen lassen. Wie lange bleibt der Geschmack nach dem Schlucken? Ein langer Abgang ist eines der sichersten Zeichen für Qualität. Mehr dazu in Guter Rotwein: So erkennen Sie Qualität.

Die drei Ebenen der Aromen

Ebene Woher sie kommt Typische Beispiele
Primäraromen aus der Traube Kirsche, Zitrus, Pfirsich, Veilchen, Paprika
Sekundäraromen aus Gärung und Ausbau Brioche, Butter, Vanille, Toast, Rauch
Tertiäraromen aus der Reifung in der Flasche Leder, Tabak, Pilze, Trockenfrüchte, Honig

Je mehr Ebenen ein Wein zeigt, desto vielschichtiger ist er. Junge Weine zeigen vor allem Primäraromen, gereifte Weine die ganze Bandbreite.

Kleines Wörterbuch der Weinsprache

  • Trocken: wenig Restzucker. Nicht verwechseln mit herb.
  • Tanninreich: pelziges, trocknendes Gefühl am Zahnfleisch. Mehr in Tannine im Wein einfach erklärt.
  • Mineralisch: an Stein, Kreide oder Salz erinnernd, typisch für Chablis oder Sancerre.
  • Vollmundig: viel Körper und Fülle am Gaumen.
  • Elegant: fein, ausgewogen, nicht schwer.
  • Verschlossen: der Wein zeigt noch wenig. Luft oder Zeit helfen.
  • Korkig: Weinfehler mit Geruch nach nassem Karton.

Tipps für die nächste Verkostung

  • Reihenfolge beachten: Schaumwein vor Weißwein, Weißwein vor Rosé, Rosé vor Rotwein. Leicht vor schwer, trocken vor süß.
  • Neutral starten: Kein Parfüm, kein Kaffee kurz vorher. Weißbrot und Wasser neutralisieren zwischendurch.
  • Richtige Temperatur: Zu warmer Rotwein schmeckt alkoholisch, zu kalter Weißwein verschlossen. Mehr in unserer Trinktemperatur-Tabelle.
  • Notizen machen: Drei Stichworte pro Wein reichen. So erinnern Sie sich später, was Ihnen gefallen hat.
  • Ehrlich bleiben: Es gibt kein falsches Aroma. Was Sie riechen, riechen Sie.

Sie möchten selbst Gastgeber sein? Alles zur Planung lesen Sie in Weinprobe zu Hause: So planen Sie Ihre eigene Weinverkostung.

Üben durch Vergleichen

Am schnellsten lernen Sie, wenn Sie zwei Weine direkt nebeneinander probieren. Zwei bewährte Paare:

  • Bordeaux gegen Burgund: ein Merlot-betonter Bordeaux neben einem Pinot Noir. Kraft gegen Eleganz. Hintergründe in Bordeaux vs. Burgund.
  • Crémant gegen Champagner: gleiche Methode, andere Herkunft. Mehr in Crémant vs. Champagner.

Verkosten mit Beratung

In unseren Verkostungsstudios in Köln und Düsseldorf können Sie während der Öffnungszeiten jederzeit ohne Anmeldung probieren. Unser geschultes Team erklärt Ihnen jeden Wein. Für thematische Weinproben mit Sommelier, meist im Anschluss an die Öffnungszeiten, melden Sie sich per E-Mail an verkostung@leons-weinhaus.de an, mit Datum und Ort.

Häufige Fragen

Warum schwenkt man Wein im Glas?

Durch das Schwenken kommt Sauerstoff an den Wein. Dadurch lösen sich die Aromen und werden in der Nase deutlicher.

Muss man Wein bei einer Verkostung ausspucken?

Nein, aber bei vielen Weinen hilft es, den Gaumen frisch zu halten. Profis spucken fast immer aus.

Muss ich Weinkenner sein, um Wein zu verkosten?

Überhaupt nicht. Es reicht zu wissen, ob Sie es lieber fruchtig, kräftig oder frisch mögen. Der Rest kommt mit der Übung.

Probieren Sie es aus: in unseren Verkostungsstudios in Köln (Wankelstraße 6) und Düsseldorf (Fährstraße 76), donnerstags und freitags 14–19 Uhr, samstags 10–16 Uhr. Ein Tropfen, der begeistert, wartet schon.

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